Tag 14: Von Matara nach Ratnapura

Heute sind wir richtig früh aufgestanden um pünktlich zum Sonnenaufgang am Strand zu sein. Die Belohnung dafür waren tolle Fotos und ein relativ ungestörtes Schwimmerlebnis. Als wir später gerade gerade am Packen waren, klopfte es und Manjula stand vor der Tür. Ungefähr 90 Minuten zu früh 🙂 Er wollte uns unbedingt noch in sein Haus zum Frühstück einladen – warum auch nicht? 🙂 Wir packten schnell fertig und fuhren mit ihm los. Unterwegs besorgte er für uns jede Menge Früchte bei einem befreundeten Obsthändler, denn wir hatten erzählt, dass wir morgens zum Frühstück nichts anderes essen. Sein Haus war für Die Verhältnisse dort ein wahrer Palast! Er scheint also wirklich eine Menge Geld zu haben. Manjula hat unter anderem eine Tochter, die in etwa Novas Alter hat. Diese war total begeistert von Nova und wollte sie auch immer umarmen 🙂 Trübselig stimmte mich bei ihm nur sein Hund, ein in einem winzigen Zwinger in der Ecke des Gartens gehaltener deutscher Schäferhund, der ziemlich verwahrlost aussah :/

Nach dem Obstfrühstück fuhr Manjula uns dann weiter zum Busbahnhof, wo direkt vor uns Antonia und Benjamin aus dem Bus stiegen 🙂 In der Wartezeit bis zur Abfahrt des Busses nach Ratnapura haben wir einen kleinen Tempel auf einer winzigen Insel im Meer besucht und waren Obstnachschub kaufen. Als wir am richtigen Bussteig ankamen und unseren Bus gefunden hatten, wollten wir gerade unser Gepäck in die Klappe am Heck des Busses befördern, als dieser plötzlich losfuhr! Wir schnellten hinterher und dabei übersah Ika ein 50+ cm tiefes Loch im Boden (von der Kanalisationsrinne unter der Straße fehlte eine Abdeckplatte) und sie trat hinein, stürzte und knickte auch noch mit einem Fuß dabei um. Nova, die währenddessen auf Ikas Arm war, ist glücklicherweise garnichts passiert. Die Aktion des Fahrers hätte uns besser davon abhalten sollen, auch noch in diesen Bus einzusteigen. Stattdessen fuhren wir trotzdem und erlebten eine echte Horrorfahrt zwischen Herztod und Wahnsinn – der Fahrer war noch recht jung und fuhr extrem draufgängerisch, wodurch er auch öfter mal scharf bremsen musste. 4,5 lange Stunden später kamen wir in der „Gem City“ Ratnapura an.

Auf dem Weg zur ersten Unterkunft unserer Wahl heftete sich auf einmal ein ganz unheimlicher Kerl an unsere Fersen und wollte uns dorthin führen. Wir wollten aber nicht, denn wir wussten den Weg und dafür sollte er keine Provision einheimsen, die uns später evtl. auf den Zimmerpreis addiert würde. Wir haben mehrmals versucht ihn abzuschütteln, aber es half alles nichts. Also sagten wir dem Mann an der Rezeption des „Ratna Gem Halt“ sofort als erstes, dass er bloß nicht diesem Typen etwas geben solle. Die Zimmer sahen gut aus, aber die waren eine ganze Ecke teurer als im Lonely Planet beschrieben und viel Spielraum zum Handeln gab es leider auch nicht. Also beschlossen wir weiterzusuchen, obwohl wir alle schon ziemlich am Ende unserer Kräfte waren. Wir waren schon etwas außerhalb der Stadt und dort gab es nicht einmal Trinkwasser zu kaufen. Nach gefühlten fünf Kilometern Fußmarsch mit vollem Gepäck kamen wir an der nächsten Unterkunft an – die sollte noch viel teurer sein 🙁 Hier draußen gab es sonst nichts und die Stadt war schon recht weit entfernt. Zu allem Überfluss wurden wir von einem Einheimischen auf einem Motorrad, den wir nach Tipps gefragt hatten, davor gewarnt, dass die Hostels und Gästehäuser alle um 21 Uhr abschließen würden und er empfehle nicht gerade, danach noch auf der Straße zu sein, da es dann wohl „risky“ sei. Oha! Und es war schon fast so spät. Also gingen wir zurück zum Ratna Gem Halt. Dort bekamen wir noch einen Hinweis auf eine andere Unterkunft – Ika und Antonia versuchten dort ihr Glück, während Benjamin, Nova und ich mit dem Gepäck warteten und eine Trinkkokosnuss genossen. Das andere Guesthouse war wohl in Ordnung und billig aber nicht wirklich sympathisch. Also entschieden Ika und ich, mit Nova lieber im Gem Halt zu bleiben, während die anderen Beiden mehr aufs Geld achten mussten, da sie noch quer durch Südostasien reisen wollen. Wir verabredeten uns für den nächsten Morgen zur gemeinsamen Weiterreise, denn diese kurze Episode in Ratnapura hatte uns diese Stadt reichlich verleidet. Ich hatte schon bei der Ankunft gespürt, dass hier keine guten Energien vorherrschen. Kein Wunder, denn hier gibt es wohl sehr große Edelsteinvorkommen und da geht es um viel Geld und Träume vom reich werden mit allen Mitteln.

Trotz der Warnung von vorher ging ich nach dem Beziehen des Zimmers nochmal runter in die Stadt um etwas Essbares und Wasser zu kaufen. Es war sehr düster, fast ohne Straßenbeleuchtung und so gut wie keine Menschen mehr auf den Straßen. Und was sich dort noch an Leuten rumtrieb machte mich ziemlich nervös. Auf der Suche nach Shorteats ging ich von Laden zu Laden (es war nicht mehr viel geöffnet) aber ohne Erfolg. Mir wurde immer mulmiger, da ich auch scheinbar der einzige Tourist weit und breit war. Nach dem dritten Versuch lief mir auf einmal der finstere Typ über den Weg, der uns nach unserer Ankunft verfolgt hatte. Er sprach mich an und fragte, ob wir in „seinem“ Guesthouse übernachten würden. Ich verneinte nur und suchte so schnell wie möglich das Weite – der Busbahnhof erschien mir als guter Fluchtpunkt. Dort traf ich auch auf einen Polizisten, was mich innerlich ruhiger werden ließ. Von dort am Besten so schnell wie möglich wieder zurück. Gekauft hatte ich weder Essen noch Trinken… Auf dem Rückweg kaufte ich noch etwas Wasser und ging dann schnellen Schrittes Richtung Guesthouse. Auf einmal kommt ein TukTuk mit zwei Insassen von hinten und fährt neben mir im Schritttempo. Der Fahrer fragte mich wo ich denn hinwolle, aber ich reagierte nicht. Dann trete ich plötzlich mit dem linken Fuß ins Leere! Ich falle hin, reiße mir Knie und Hose dabei auf. Fluche, rappele mich schnell wieder auf und gehe weiter – das TukTuk hat sich inzwischen glücklicherweise entfernt. Diese Stadt tut wirklich alles dafür uns ganz schnell wieder loszuwerden – wollte uns ja auch garnicht bei sich (Ikas Unfall und die fiese Busfahrt).

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